Nationalpark Hohe Tauern

16. Tag der Artenvielfalt im Nationalpark Hohe Tauern


29. bis 31. Juli 2022 – Nationalpark-Gebiet im Maltatal, Gemeinde Malta in Kärnten

 

Informationen und Anmeldung für wissenschaftliche Expertinnen und Experten.

 

 

 
 

Aus organisatorischen Gründen ist eine Anmeldung unbedingt erforderlich.

Anmeldeschluss: Montag, 2. Mai 2022

 

 

Vom 29. bis 31. Juli 2022 steht der Nationalpark Hohe Tauern wieder ganz im Zeichen der Artenvielfalt. Wir möchten Sie daher herzlich einladen, beim 16. Nationalpark Hohe Tauern Tag der Artenvielfalt als Expertin und Experte aktiv mitzuwirken.

Die Tage der Artenvielfalt finden im jährlichen Wechsel zwischen den drei Bundesländern Kärnten, Salzburg und Tirol statt. Im Jahr 2022 soll der Nationalpark-Anteil des Maltatals in der Nationalpark-Gemeinde Malta hinsichtlich seiner Artenvielfalt erhoben werden und wird daher in Zusammenarbeit mit der Kärntner Nationalpark-Verwaltung organisiert.

Wir hoffen auch heuer wieder auf Ihre Hilfe, um dieses Vorhaben erfolgreich verwirklichen zu können.

Seit 2007 finden die Tage der Artenvielfalt im Nationalpark Hohe Tauern statt und das überaus erfolgreich. Bisher konnten beinahe 58.500 Datensätze gesammelt werden, das sind rund 11 % des Gesamtdatenbestandes der Biodiversitätsdatenbank des Nationalparks Hohe Tauern. Dieses ständig wachsende Wissen ermöglicht es, die Bedeutung des Nationalparks Hohe Tauern für die Österreich- und alpenweite Fauna und Flora wissenschaftlich zu belegen.

 

Datenerhebung

Die Datenerfassung am Tag der Artenvielfalt im Nationalpark Hohe Tauern erfolgt primär über die Beobachtungsplattform Observation.org. Observation.org ist die größte Naturbeobachtungsplattform Europas mit Sitz in den Niederlanden und ermöglicht die weltweite Erfassung von Tieren, Pflanzen und Pilzen via Webseite oder direkt im Gelände mittels Smartphone Apps.

Alle den Nationalpark betreffenden Daten, die mit Observation erfasst werden, werden von den jeweiligen Experten am Haus der Natur validiert und in die Biodiversitätsdatenbank am Haus der Natur zur weiteren Verwendung im Zusammenhang mit Naturschutz und Forschung übernommen. Die Beobachtungen sind auf Observation prinzipiell öffentlich zugänglich, können jedoch bei Bedarf selbst vom Beobachter versteckt oder mit einem zeitlichen Embargo versehen werden.

Bitte registrieren Sie sich schon vorab auf https://observation.org und installieren Sie die dazugehörige Smartphone-App für eine Datenerfassung im Gelände:

  • - ObsMapp für Android
  • - iObs für iPhone

Die Beobachtungen können auch im Nachhinein über die Webseite eingegeben, geändert oder ergänzt werden. Einen Überblick über den aktuellen Observation-Datenstand im Nationalpark Hohe Tauern erhalten Sie hier.

Auf der Observation.org Bioblitz-Seite erhält man einen live Überblick zu den beobachteten Arten von den diesjährigen Tagen der Artenvielfalt: https://observation.org/bioblitz/npht-tage-der-artenvielfalt-2022/

Bei Fragen zur Datenerfassung mittels Observation melden Sie sich bei peter.kaufmann[at]hausdernatur.at.

Dateneingabe optional über Excel: 

xlsxDateneingabe_TAV2022.xlsx

ABOL-BioBlitz im Nationalpark Hohe Tauern

Auch in diesem Jahr wird sich die Initiative "The Austrian Barcode of Life" (ABOL) wieder mit einem BioBlitz an den Tagen der Artenvielfalt beteiligen. Auf diesem Wege konnten bisher zahlreiche Proben gesammelt werden, die zum Aufbau eines genetischen Bestimmungsbuchs der österreichischen Biodiversität beitragen. Bei Interesse melden Sie sich bitte vorab bei Sabine.Schoder[at]nhm-wien.ac.at.

pdfAussendung-an-Sammler_ABOL-Bioblitz-2022.pdf

 

Übersichtskarten zum Untersuchungsgebiet:

jpgUntersuchungsgebiet_TAV2022_Uebersichtskarte_Basemap.jpg

pdfUntersuchungsgebiet_TAV2022_Uebersichtskarte_Basemap.pdf

 

DAS UNTERSUCHUNGSGEBIET
Der Nationalparkanteil der Gemeinde Malta ist eingebettet in den imposanten Gebirgsstock der Ankogelgruppe, dem östlichsten Teil der Hohen Tauern. Die 3.360 m hohe, von vier Gletschern umgebene Hochalmspitze ist der höchste Berg dieser Gebirgsgruppe. Mit einer Fläche von 83 km², davon 63 km² Kernzone und 20 km² Außenzone, sind rund ein Drittel der Gemeindefläche von Malta seit dem Jahr 1986 Teil des Nationalparks Hohe Tauern. Im Nationalpark befinden sich mit dem Großelendtal und dem Kleinelendtal die obersten Bereiche des Maltatals sowie die Süd- und Ostabhänge des Hochalmmassivs zum Gößgraben bzw. Maltatal hin.


Maltatal und Gößgraben zeigen, wie die meisten alpinen Hochtäler, einen typischen stufenförmigen Aufbau. Sie sind eindrucksvolle Beispiele für ehemalige Gletschertröge (U-Täler) mit steilen Talflanken, die für die Vielzahl von Wasserfällen verantwortlich sind.

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Blick von oben ins Großelendtal bzw. Kleinelendtal (Fotos: NPHT / Haslacher Erwin).

 

Geologie

Von Gmünd kommend quert man im Maltatal verschiedene geologische Einheiten. Das ostalpine Altkristallin der Nockberge bildet hier die östliche Umrahmung des Tauernfensters. Darunter liegen verschiedene Abschnitte der Schieferhülle und schließlich die große Masse der Zentralgneise des östlichen Tauernfensters.

Die Zentralgneise bestehen im Wesentlichen aus Granitgneisen, Granodioritgneisen und Tonalitgneisen (z. B. Gößgraben, Großelendtal, hinteres Maltatal). Nordwestlich der Gmündner Hütte sind altkristalline Paragneise, Bänder- und Schollenmagmatite aufgeschlossen. Über den Zentralgneisen liegen die mesozoischen Gesteine der Silbereckserie (Melnikkar) mit Quarziten, Dolomitmarmoren, Kalkmarmoren, Kalkglimmerschiefern und Grünschiefern.

Der Mineralienreichtum der Ankogelgruppe ist seit alters her bekannt. Der Name „Kölnbrein“ kommt von „Kohle" und „brennen" und weist darauf hin, dass der ehemalige Wald des unteren Kölnbreinkares zu Holzkohle für den Bergbau verbrannt wurde.

 

Gletscher, Gewässer und Seen

Die Verbindung von großen Höhen, günstigen Geländeformen und reichlichen Niederschlägen bedingt hier nach der Pasterze die bedeutendsten Vergletscherungen Kärntens. Angeführt von dem längsten Gletscher der Ostalpen sind Hochalmkees, Kleinelendkees und Großelendkees die größten Gletscher Kärntens.

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Blick von der Arlscharte auf den Kölnbreinspeicher. Im Hintergrund in der Bildmitte ist die Hochalmspitze mit Hochalmkees und Großelendkees, rechts im Hintergrund ist das Kleinelendkees zu sehen (Foto: NPHT / Aichhorn Katharina).

Aufgrund des Wasserreichtums und der vielen Wasserfälle wurde das Maltatal auch das „Tal der stürzenden Wasser" genannt. 1943 konnten große Bereiche des Maltatales einschließlich des Gößgrabens (insgesamt 21.000 ha) als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Dieses Naturschutzgebiet wurde 1964 wegen der Baupläne der Kraftwerksgruppe Malta wieder aufgelöst. Fast alle Bäche des oberen Maltatales und Gößgrabens werden im Nationalparkvorfeld energiewirtschaftlich genutzt und weisen dort eine deutlich verringerte Wasserführung auf. Umso wichtiger ist der Schutz der Gletscher, Bäche (z. B. Großelendbach, Kleinelendbach) und Seen (z. B. Brunnkarsee, Pleßnitzsee, Schwarzhornseen, Hochalmseen, Preimlseen) im Nationalparkgebiet von Malta.

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Großelendkees und Großelendbach (Foto: NPHT / Aichhorn Katharina) sowie unterer Schwarzhornsee (Foto: Zupanc Daniel).

 

Vegetation und Tierwelt

Die Vegetation des Maltatals und des Gößgrabens zeigt den Höhenstufen folgend alle Vegetationseinheiten - von der unteren Montan-Stufe bis zur nivalen Zone.

Mischwälder (Buchen-Tannen-Wald) der unteren Bergwaldstufe prägen den Eingang zum Gößgraben. Dieses Tal ist durch seinen West-Ost-Verlauf klimatisch begünstigt. Bemerkenswert ist hier insbesondere der urwaldartige Laubwald am Südabhang des Gößgrabens mit Bergulme, Bergahorn, Spitzahorn, Grauerle, Sommerlinde und Hasel. Mit 1.240 m erreicht der Bergulmen-Mischwald hier seine Obergrenze in den Kärntner Zentralalpen. Darüber findet sich ein Bergahorn-Eschen-Wald. Rotbuche und Bergahorn steigen bis in 1.600 m Höhe. In den meisten übrigen Bereichen dominiert bis 1.700 m der Fichtenwald, vereinzelt findet sich an steilen Bergflanken auch die Rotföhre. Mit der Höhe nimmt der Anteil der Lärche stetig zu - bis hin zu fast reinen Lärchenwäldern. Nur vereinzelt tritt im Waldgrenzbereich die Zirbe auf.

Entlang des Kölnbreinspeichers in der Krummholzzone (bis 2.300 m) überziehen Latschen die trockeneren Hänge und Buckel. In den dazwischenliegenden wasserzugigen Rinnen stocken Grünerlengebüsche mit üppiger Krautschicht. Über der Waldgrenze befinden sich ausgedehnte Zwergstrauchheiden, Krummseggen- und Bürstlingsrasen, an steilen Sonnenhängen Buntschwingelhalden mit Horstsegge. In nährstoffreicheren Rinnen und Mulden wachsen hochwüchsige Staudenfluren. Dazu kommen Niedermoorbereiche, Schneetälchen und kleine Quellfluren. Nach oben hin löst sich die Vegetation in die Fels- und Schuttfluren mit ihrer Pioniervegetation auf.

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Laubmischwald im Gößgraben (Fotos: NPHT / Aichhorn Katharina).

Zu den Besonderheiten der Tierwelt zählt das Rotsternige Blaukehlchen – derzeit befindet sich im Großelendtal die größte Brutpopulation in den Ostalpen – sowie das Steinhuhn, das im Gegensatz zu den Raufußhühnern keine befiederten Läufe besitzt.

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 Rosterniges Blaukehlchen (Foto: Huber Bernhard) und Schneehuhn (Foto: NPHT / Haslacher Erwin).

 

Moore

Großflächige Moorbereiche befinden sich vor allem im Großelendtal und im Kleinelendtal. Das größte Moor erstreckt sich, ausgehend vom Südende des Kölnbreinspeichers, in Richtung Süden bis in den Bereich südöstlich der Osnabrücker Hütte. Es handelt sich dabei um einen Niedermoor-Weiderasen-Zwergstrauchkomplex. Ähnliche Moorbereiche liegen auch am Eingang zum Kleinelendtal. Die vielen Kare im Nationalparkgebiet der Gemeinde Malta beherbergen viele kleine Moorbiotope. Beispielhaft kann hier das „Hochalmklar“, das durch den markierten Steig zur Villacher Hütte gut aufgeschlossen ist, genannt werden. Im Hochalmkar wurden insgesamt fünf Moorflächen festgestellt, wobei es sich um Niedermoor-Weiderasen-Komplexe handelt.

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 Großelendtal und Kleinelendtal (Fotos: NPHT / Aichhorn Katharina).

 

Almwirtschaft

Auf der Fläche des heutigen Kölbreinspeichers befand sich früher ein gut genutztes Almtal. Heute sind vor allem die Elendtäler für die Almwirtschaft von Bedeutung. Im Großelendtal schließen die Weideflächen direkt an die Wasserfläche des Kölnbreinspeichers an. Die Große und Kleine Elendalm sind ein über 3.900 ha großes Almgebiet und umfassen praktisch den gesamten Talschluss. Die Rinder weiden vor allem auf dem Talboden, Schafbeweidung findet bis in die Hochlagen statt.

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Almwirtschaft im Großelendtal (Fotos: NPHT / Aichhorn Katharina).

 

Was kreucht und fleucht im Maltatal?

Für das Nationalparkgebiet im Maltatal sind in der Biodiversitätsdatenbank derzeit 6.814 Datensätze zu 1.075 verschiedene Taxa (Arten, Unterarten, Hybride, Varietäten) verzeichnet (Quelle: Biodiversitätsdaten­bank des Nationalparks Hohe Tauern, Stand 04/2022):

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Verwendete Literatur

- Jungmeier, M. & Drapela, J. (2004): Almen im Nationalpark Hohe Tauern. Natur, Kultur und Nutzungen. Verlag Carinthia, Klagenfurt, 187 Seiten.

- Stüber, E. & Winding, N. (2005): Erlebnis Nationalpark Hohe Tauern, Band Kärnten. Verlag Tyrolia, Innsbruck-Wien, 308 Seiten.

- Wittmann, H., Stöhr, O., Krisai, R., Gewolf, S., Frühwirt, S., Rücker, T. & Dämon, W. (2007): Erfassung der Moore im Nationalpark Hohe Tauern in den Bundesländern Kärnten, Salzburg und Tirol - "Pflanzensoziologische und standortökologische Untersuchung der Moore des NPHT". Endbericht. Institut für Ökologie, 2007, 389 Seiten.

Autor: Katharina Aichhorn, April 2022

 

 

 

 

 

 



Geschrieben von
NPHT

16.11.2021
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